Die Zuchtwertschätzung erfolgt nach der BLUP-Methode, alle Kernzucht- und Vermehrungszuchtbetriebe werden einbezogen. Mit der BLUP-Methode werden die Leistungen um Umwelteffekte (Jahr, Saison, Prüfort) korrigiert und die genetischen Beziehungen zwischen den Merkmalen und zwischen den Tieren berücksichtigt.
Durch die Einbeziehung aller Informationen von verwandten Tieren wird die Genauigkeit der Zuchtwertschätzung gesteigert. Dieses Verfahren nützt somit alle vorhandenen Daten optimal aus. So können neben der Eigenleistung auch die Prüfungsergebnisse von Eltern und Geschwistern und später auch die Nachkommen zusätzliche Informationen über den Wert eines Tieres liefern. Wobei natürlich einem Tier mehr Bedeutung zukommt, je näher es dem Prüftier steht. Andererseits liefert jedes neu geprüfte Tier zusätzliche Informationen über seine Verwandten und erhöht deren Genauigkeit der Zuchtwertschätzung.

Die Zuchtwerte für die Produktionsmerkmale und die Merkmale der linearen Beschreibung werden je in einem Mehrmerkmalstiermodell geschätzt. Dabei fliessen die Leistungen der reinrassigen und F1-Tiere aus der Feldprüfung und die Stationsresultate der reinrassigen Tiere in die Zuchtwertschätzung ein.
In der Zuchtwertschätzung für die Produktionsmerkmale werden auch die Leistungen von Kreuzungstieren aus der Endprodukteprüfung EPP berücksichtigt. Die Schlachttiere aus der EPP verfügen über Schlachthofdaten in den Merkmalen Tageszuwachs (TZS) und Magerfleischanteil (MFA). Die zusätzlichen Daten aus der EPP bringen vor allem bei den Vaterlinienrassen zusätzliche Informationen, da sie von direkten Nachkommen stammen.

 

Genomisch optimierte Zuchtwertschätzung für Reproduktionsmerkmale beim Edelschwein

Die genomisch optimierte BLUP-Zuchtwertschätzung (goZWS) wird zur Standardmethode der Zuchtwertschätzung bei vielen Tierarten, auch in der Schweinezucht. Die SUISAG setzt seit anfangs 2016 die genomisch optimierte Zuchtwertschätzung für Reproduktionsmerkmale bei der Rasse Edelschwein ein. Die zusätzliche Nutzung der Information von genetischen Markern verbessert die Schätzgenauigkeit der Zuchtwerte von jungen typisierten Tieren. Beim Schwein werden heute für die goZWS in der Regel gut 60’000 Marker typisiert, die über das ganze Genom verteilt sind.

Alle bedeutenden Edelschwein KB-Eber bis zurück ins Geburtsjahr 2002 sind typisiert und Teil der Referenzpopulation. Eber mit vielen Töchterleistungen erreichen hohe Bestimmtheitsmasse (B%) und liefern durch ihre genetischen Marker Information für typisierte Selektionskandidaten mit bisher wenig Information. Alle ES-Tiere, d.h. sowohl die Referenztiere wie auch die Selektionskandidaten, werden für 60’000 Marker typisiert. Die Marker werden genutzt, um die genomische Verwandtschaft zwischen den typisierten Tieren zu berechnen (Abb. 1). Die bisher in der traditionellen Zuchtwertschätzung verwendete Pedigree-Verwandtschaft wird bei den typisierten Tieren durch die genomische Verwandtschaft ersetzt, da diese genauer wiedergibt, wieviele Gene diese Tiere wirklich gemeinsam haben. Bisher hatten alle Vollbrüder bei den Reproduktionsmerkmalen den gleichen Reproduktionszuchtwert (RZW). Neu können wir bei der Rasse Edelschwein dank den Markern Unterschiede zwischen Vollbrüdern schätzen. Die so berechneten Zuchtwerte sind direkt die genomisch optimierten BLUP-Zuchtwerte.

Abb. 1: Marker zeigen die Ähnlichkeit zwischen den Tieren genauer auf als die Abstammungsdaten. Das Pedigree zeigt 9 Tiere mit Markerdaten an 4 Genorten. An jedem Genort kommen die Allele A oder B vor. Die möglichen Genotypen sind somit AA, AB oder BB. Tier 8 ist seinem Grossvater 1 ähnlicher als sein Vollgeschwister 9. Wenn der Grossvater bereits über Nachkommenleistungen gezeigt hat, dass er ein guter Vererber ist und entsprechend einen hohen Zuchtwert im Vergleich zu den übrigen Grosseltern hat, dann dürfte auch das Tier 8 genetisch besser sein als sein Vollgeschwister 9. Die Nutzung der Markerinformation ist nicht an Familien gebunden. Aufgrund der ähnlichen Markergenotypen ist das genetische Potenzial des Vollgeschwisters 9 ähnlich jenem des bereits nachkommengeprüften Tiers 5. Mit Markerdaten können somit Unterschiede zwischen Vollgeschwistern auch ohne eigene Leistung geschätzt werden.

 

Die Zuchtwerte für die Reproduktionsmerkmale werden in einem Wiederholbarkeitsmodell geschätzt. Es werden neben den Markerdaten alle Leistungen von reinrassigen Herdebuchtieren und F1-Kreuzungssauen berücksichtigt.
Die Teilzuchtwerte werden in einem Gesamtzuchtwert nach rassenspezifischen Selektionsschwerpunkten zusammengefasst.

 

Definition Basis

Die Definition der Vergleichsbasis der Zuchtwertschätzung wird wöchentlich neu festgelegt. Die Basis wird von allen Kernzuchtsauen mit mindestens einem Wurf und dem Geburtsdatum im Zeitraum aktuelles Datum minus 4 Jahre bis aktuelles Datum minus 1 Jahr gebildet. In jeder Rasse liegt der Durchschnitt der Naturalzuchtwerte der Basissauen bei 0. Die Teil- und Gesamtzuchtwerte werden derart skaliert, dass die Werte der Basissauen im Schnitt 100 betragen und mit einer Standardabweichung von 20 streuen. Zuchtwerte sind somit als Abweichungen vom Niveau der rassenspezifischen Basis zu interpretieren und nicht direkt über Rassen hinweg vergleichbar.

 

Genauigkeit der Zuchtwerte

Je höher die Genauigkeit der Zuchtwertschätzung, desto größer ist die Aussagekraft eines Zuchtwertes, desto sicherer kann die Vererbungsleistung eines Tieres vorausgesagt werden. Je mehr Informationen (Eigenleistung oder Leistungen von Verwandten) für die Schätzung des Zuchtwertes vorhanden sind, desto höher steigt die Genauigkeit des geschätzten Zuchtwertes. Allerdings wird der Anstieg immer geringer, je mehr Informationen bereits vorhanden sind. Bei einer Genauigkeit von 1 wäre der Zuchtwert absolut sicher.
Hat das Tier selbst keine Eigenleistungsprüfung absolviert, so kann sein Zuchtwert nur über verwandte Tiere ermittelt werden. Allerdings ist dann die Genauigkeit der Zuchtwertschätzung zunächst deutlich geringer. Daher ist die Eigenleistungsprüfung sehr wichtig, um möglichst früh eine verlässliche Aussage über den züchterischen Wert eines Tieres zu haben.

GZW

Abb. 2: Zuchtwertschätzung für die Gesamtzuchtwerte

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