SUISAG
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Arthrogrypose und Bekämpfungsstrategie
1. Was ist Arthrogrypose? Checkliste für Vorgehen bei Verdacht auf Arthrogrypose  (23kb)
2. Rezessiver Erbgang  
3. Noch kein DNA-Test verfügbar  
4. Vorgehen bei Arthorgrypose-Fällen  
5. Strategie der KB  
6. Schlussfolgerungen  
 

1. Was ist Arthrogrypose?

Arthrogryposis mulitplex congenita (AMC) ist eine Krankheit, welche bei mehreren Säugetierarten und auch beim Menschen vorkommt. Bei betroffenen Individuen sind die Gelenke der Gliedmassen steif, zeigen oft auch eine abnormale Winkelung und die Gliedmassen können daher kaum bewegt werden. Neben genetisch bedingten Krankheitsformen, gibt es auch Formen, die keine genetische Ursache haben (z.B. Virusinfektionen etc.).
Bei unseren Schweinen sind in letzter Zeit vermehrt Fälle beobachtet worden, die einen genetischen Hintergrund zu haben scheinen. Bei betroffenen Ferkeln sind die Vordergliedmassen oder weniger häufig alle Gliedmassen betroffen. (vgl. Abb. 1). Häufig gibt es auch die Tendenz zum Karpfenrücken. Die Ferkel werden in den meisten Fällen tot geboren bzw. sind nicht überlebensfähig.

Krankheitsbild_Arthrogrypose
Abb. 1: Krankheitsbild der Athrogryposis multiplex congenita (AMC)

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2. Rezessiver Erbgang

Die bei unseren Schweinen beobachtete AMC-Form wird autosomal rezessiv vererbt (vgl. Abb. 2). Betroffene Ferkel haben je eine krankmachende Genvariante von ihren beiden Eltern geerbt. Beide Eltern sind Trägertiere und selber nicht erkrankt. Da die Erbkrankheit noch relativ wenig verbreitet ist, werden selten zwei Trägertiere miteinander gepaart und damit kranke Ferkel erzeugt. Wegen dieser Seltenheit kann es aber auch lange dauern, bis Trägertiere erkannt werden, was die züchterische Bekämpfung der Erbkrankheit erschwert.
Betroffen ist bei uns bisher vor allem das Edelschwein (ES). Da diese Krankheit aber bei verschiedenen Säugetierarten vorkommt, ist es durchaus möglich, dass auch andere Rassen betroffen sein könnten.
Da einige frühere KB-Eber als Trägertiere verdächtigt werden, dürfte AMC auf dem Vormarsch sein, und muss darum züchterisch bekämpft werden. Aufgrund der bisher verfügbaren Daten scheint AMC über den 1990 geborenen KB-Eber 1-2401-JN Hift bei uns verbreitet worden zu sein.

Erbgang_Arthrogrypose
Abb. 2: AMC wird autosomal rezessiv vererbt (K ist die krankmachende Genvariante, N die normale). Werden 2 Trägertiere gepaart, sind bei den Nachkommen 25% krank(K/K), 50% gesunde Träger (K/N) und 25% gesunde Nicht-Träger (N/N) zu erwarten.

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3. Noch kein DNA-Test verfügbar

An der ETH-Zürich ist im Bluttypisierungslabor von Prof. Peter Vögeli ein Forschungsprojekt angelaufen, das die Entwicklung von einem DNA-Diagnosetest zum Ziel hat. SUISAG und Suisseporcs unterstützen dieses Forschungsprojekt finanziell. Erste Ergebnisse sind frühestens in einem Jahr zu erwarten, bis zu einem Diagnosetest dürfte es noch länger dauern.
Bis ein Diagnosetest verfügbar wird, gibt es keine andere Bekämpfungsstrategie als aufgetauchte Fälle möglichst lückenlos und genau zu erfassen und aufgrund der Abstammung mögliche Trägertiere zu eruieren.

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4. Vorgehen bei Arthrogrypose-Fällen

a) Meldung
Fälle von Arthrogrypose sind der SUISAG sofort zu melden
mit Angabe der beteiligten Elterntiere, des Geburtsdatums des Wurfes mit Anzahl geborenen und von AMC betroffenen Ferkeln. Von den betroffenen Ferkeln sollte der Schwanz für künftige DNA-Analysen im Rahmen des Forschungsprojektes an die ETH-Zürich geschickt werden. In Absprache mit der SUISAG sollten auch betroffene Ferkel zur genauen Diagnose ans Tierspital geschickt werden. Die SUISAG hat eine Checkliste mit den Adressen und ein Meldeformular erstellt.

b) Zuchtmassnahmen
Die Eltern von betroffenen Ferkeln sind Träger der krankmachenden Genvariante. Es sollten keine direkten Nachkommen für die Weiterzucht verwenden werden. Das Risiko, dass gesunde Nachkommen die krankmachende Genvariante besitzen und weiter vererben, ist zu gross (vgl. Abb. 2).

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5. Strategie der KB

Bei der Meldung von betroffenen Nachkommen wird der KB-Eber als Trägertier verdächtigt, wenn die Meldung von der Datengrundlage her plausibel ist und: 

  • von einem gemeldeten Wurf, betroffene Ferkel im Tierspital ebenfalls als AMC-Fälle diagnostiziert worden sind, oder
  • zwei unabhängige Meldungen von Zuchtbetrieben eingegangen sind.

Als Trägertiere eingestufte Eber werden aus dem Zuchteinsatz genommen. Die bisher eruierten Trägertiere unter den KB-Ebern sind hier zusammengestellt. Es werden keine Eber für die KB angekauft, deren Trägerrisiko grösser als 25% ist (d.h. max. 1 Grosselter als Träger akzeptiert). Bei den erzeugten Nachkommen ist dann das Trägerrisiko nicht grösser als 12.5%.
Eine strengere Vorgehensweise ist zur Zeit nicht angebracht, weil

  • wir nicht sicher sein können, dass in allen gemeldeten Fällen, wirklich die genetisch bedingte AMC-Form vorliegt, und
  • wir durch eine noch schärferer Vorgehensweise die genetische Breite der Zuchtpopulation zu stark einschränken würden.
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6. Schlussfolgerungen

  • Die beim Edelschwein (ES und ESV) vorkommende Arthrogryposis multiplex congenita (AMC) scheint eine autosomal rezessiv vererbte Form zu sein.
  • Ein DNA-Test, um Trägertiere bestimmen zu können, ist in Entwicklung. Bis zum Vorliegen eines DNA-Testes ist die einzige Bekämpfungsmöglichkeit die lückenlose Meldung von Fällen an die SUISAG und den Ausschluss von erkannten Trägertieren von der Zucht.
  • Die KB kauft nur noch Eber mit einem Trägerrisiko kleiner als 25%.
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